Das 2. Spiegelgesetz – betroffen?

SpiegelNachdem wir uns an dieser Stelle im letzten Artikel das erste Spiegelgesetz angeschaut haben, wollen wir heute einen Blick auf das 2. Spiegelgesetzt werfen. Bei dem ersten Spiegelgesetz ging es darum, dass uns selber etwas an einem anderen Menschen nicht gefällt. Wir kritisieren ihn und sind zumindest insgeheim wütend und ärgerlich auf ihn. Das 2. Spiegelgesetz befasst sich nun damit, was in uns passiert, wenn wir kritisiert werden oder/und jemand etwas an uns ändern möchte.

Spiegelgesetz 2: Alles, was der Andere an mir kritisiert, bekämpft und an mir verändern will, und mich deswegen verletzt, betrifft mich ebenso. Dann ist dies in mir noch nicht richtig erlöst, meine gegenwärtige Persönlichkeit fühlt sich beleidigt, mein Ego ist noch sehr stark, meine Selbsterkenntnis noch schwach.

Ein Beispiel aus dem Leben, das auch sehr gut im Berufsleben unter Kollegen/innen vorkommen kann. Ihre Kollegin sagt zu Ihnen: „Mensch, Du hast aber im letzten Monat ordentlich zugelegt.“ Ihnen ist in dem Beispiel klar, dass Sie seit dem letzten Urlaub einige Kilos mehr auf die Waage bringen (…nur im Beispiel :-)). Die Frage ist nun, fühlen Sie sich verletzt? Nein, ganz ehrlich? Sie merken, dass Sie vielleicht denken, recht hat sie, habe ich ja auch schon selber gemerkt. Oder Sie lächeln sogar und sagen: “Jo, bald brauche ich einen Kran, der mich morgens aus dem Bett hievt“. Sie fühlen sich ganz offensichtlich überhaupt nicht verletzt und können sogar über die Bemerkung einen Witz machen. Dann sind Sie sicherlich nicht betroffen. Sollten Sie hingegen einen inneren Widerstand verspüren und vielleicht denken: “So eine Frechheit. Wie kommt sie nur dazu, so einen Unsinn zu erzählen“. Sie regen sich auf und sind wütend und verletzt ? Dann sind Sie wohl betroffen. Wenn Sie ehrlich zu sich selber sind, hadern Sie wahrscheinlich wirklich gerade mit Ihrem Gewicht oder bemühen sich seit längerer Zeit vergeblich abzunehmen. Sie sind mit sich und ihrem Gewicht vielleicht tatsächlich nicht zufrieden.

Oder wie sieht es aus, wenn Ihr Chef zu Ihnen nach einem Meeting sagt: “Sie wissen, dass ich Ihre Meinung schätze, aber halten Sie sich bitte bei zukünftigen Veranstaltungen ein wenig mit Ihrer vorlauten Art zurück.“ Bringt Sie diese Äußerung in Wut? Denken Sie vielleicht: „Na, so ein Blödmann. Ich habe doch nur meine Meinung gesagt. Ist das jetzt auch schon zu viel?“ Oder grinsen Sie innerlich in sich hinein und denken: “Aha, da habe ich wohl auf den falschen Knopf beim Chef gedrückt. Weiß ja, dass ich nicht immer zurückhaltend bin, aber gut, dass ich mich getraut habe und vor den Kollegen meine Meinung gesagt habe.“

Merken Sie den Unterschied? Der Sachverhalt ist der Gleiche, aber der innere Zustand (die Gefühlswelt) ist unterschiedlich. Bei der ersten Variante sind Sie angefasst, wütend, aufgebracht, genervt. Bei der zweiten Varianten sind Sie locker, reflektiert, ruhig und damit auch nicht persönlich betroffen.

Wenn der Chef Sie in der ersten Alternative getroffen und damit betroffen gemacht hat, bleibt zu überlegen: Wieso bin ich aufgebracht und wütend? Hat er vielleicht ein wenig recht? Stört es mich vielleicht selber, dass ich manchmal einfach nicht den Mund halten kann? Bei der zweiten Alternative haben Sie selber kein Problem. Sie wissen genau, was Sie gesagt und getan haben und sind mit sich „im Reinen“.

Wenn Bemerkungen von Kollegen oder dem Chef sehr verletzen, kann es nützlich sein zu hinterfragen, ob ich an der Stelle tatsächlich selber mit mir ein Problem habe. Aus welchem Grund konnte mich die Bemerkung so stark verletzen? Solche Nachfragen können mehr als hilfreich sein, um kleine und auch größere Konflikte (nicht nur) im Berufsleben von einer anderen Perspektive wahrzunehmen und damit letztlich auch zu lösen. Und ganz nebenbei  lernen wir uns  selber ein Stückchen mehr kennen.

Demnächst kommen wir zum dritten Spiegelgesetz. Doch vorher suchen Sie sich ruhig einige Situationen aus, in denen Sie von einer anderen Person „angegangen“ werden. Sind Sie betroffen? Und wenn ja, was ist wohl der wahre Grund? Wenn Sie dann genug geübt haben, sind Sie hoffentlich das nächste Mal wieder dabei.

 

Dagmar Reuter

Jobcoaching Bonn

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10 Gedanken zu „Das 2. Spiegelgesetz – betroffen?

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