Konflikte lösen mit dem ersten Spiegelgesetz

22846590900_7fa64f8d53_oKonfliktsituationen begegnen uns nicht nur im weltpolitischen Geschehen. Oft sind es gerade die kleinen Dinge, die uns richtig nerven. Das kann der Ärger über den Nachbarn sein, der zum wiederholten Mal eine dumme Bemerkung über das Verhalten unseres Jüngsten im Treppenhaus loswerden muss. Natürlich kann auch die Frau vor uns in der Warteschlange, die sich ganz geschickt von der Seite mit Ihrem vollbeladenen Einkaufswagen vor uns gedrängelt hat, immense innerliche Wut auslösen. Doch da wir einen großen Teil des Lebens auf der Arbeit verbringen, ist die Gefahr, dass es dort zu Konflikten mit dem Chef oder Kollegen kommt, eigentlich geradezu prädestiniert. Ehrlich gesagt, wer kennt Sie nicht? Kleine Reibereien mit der Kollegin, deren Präsentationen beim Vorstand ständig besser ankommen als die eigenen? Der Gedanke „Da hat sie sich aber wieder gut beim neuen Chef eingeschleimt“, liegt nicht fern. Wut und Ärger kann auch der Chef auslösen, der absolut nicht einsehen will, dass Sie nach der ganzen Plackerei während des Weihnachtsgeschäftes dringend zur Inventurzeit über Silvester einen Winterurlaub benötigen. Schnell kommt da der Gedanke: „So ein Egoist. Der gönnt mir auch gar nichts.“

Eine kleine Hilfe für solche Konfliktsituationen können die Spiegelgesetze nach Christa Kössner sein. Die Spiegelgesetze gehen davon aus, dass alle Beziehungen der Spiegel sind, in dem wir uns selber so erkennen, wie wir sind. Wir spiegeln einander und geben uns dadurch gegenseitig die Möglichkeit, uns selbst sowie unser Gegenüber kennenzulernen.

Heute wollen wir uns zunächst das 1. Spiegelgesetz anschauen:

Alles, was mich am Anderen stört, ärgert, aufregt oder in Wut geraten lässt und ich an ihm anders haben will, habe ich als Aspekt auch in mir selbst. Alles, was ich am Anderen kritisiere oder sogar bekämpfe und an ihm verändern will, kritisiere, bekämpfe und unterdrücke ich in Wahrheit in mir selbst und hätte es auch in mir gerne anders.

Das hört sich zunächst vielleicht unglaublich an. Doch bei näherer Betrachtung auch gerade nicht.

Kehren wir zu den oben beschriebenen Beispielen zurück.

Im ersten Beispiel denke ich: Das liegt nur an der „Schleimerei“ der Kollegin, dass ihre Präsentationen besser beim Chef ankommen als meine eigenen. Wenn ich nun ganz ehrlich gegenüber mir selbst nachprüfe, könnte es nicht vielleicht auch sein, dass ich ein wenig neidisch auf die Kollegin bin? Neidisch, weil Ihre Präsentationen offensichtlich besser ankommen als meine eigenen? Möchte ich nicht auch gerne, dass meine Präsentationen vom Vorstand gelobt werden? Und wenn ich ganz ehrlich mit mir bin, könnte es vielleicht sogar sein, dass ich selber gerne ein wenig „schleimen“ würde, um den Chef zu beeindrucken?

Der Aspekt, den ich hier bei der Kollegin kritisiere, steckt also auch ein wenig in mir selber. Und klar, hätte ich das gerne in mir auch anders.

Im zweiten Beispiel denke ich: „Mein Chef ist ein Egoist. Der gönnt mir auch gar nichts.“

Könnte es bei ehrlicher Selbstbetrachtung nicht auch sein, dass ein kleines Stückchen Egoismus in mir selber steckt? Eigentlich habe ich doch genau gewusst, dass zur Inventurzeit der Chef darauf angewiesen ist, dass ihm alle verfügbaren Arbeitskräfte zur Verfügung stehen. Habe ich nicht mit dem Wunsch, ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt in den Urlaub zu gehen, selber ein bisschen egoistisch gehandelt?

Die Eigenschaft, die hier im Beispiel dem Chef zugewiesen wird, steckt also auch ein bisschen in mir selber.

Wer den Mut hat – und der gehört auf jeden Fall dazu – ehrlich mit sich selber zu sein, gewinnt durch das 1. Spiegelgesetz neue Erkenntnisse und eine andere Sicht auf die Situation. Zugleich werden mit Sicherheit die eigene Wut und der große Ärger über eine unliebsame zwischenmenschliche „Begegnung“ abgemildert. Die selbstkritische Überprüfung der eigenen Kritik und Wut deckt häufig Eigenschaften und Teile von mir auf, die mir selber noch gar nicht so bekannt waren.

So kann das 1. Spiegelgesetz zu interessanten Eigenansichten verhelfen. Probieren Sie es doch bei nächster Gelegenheit einfach einmal aus. Ich wünsche Ihnen dafür Mut und viele neue interessante Erkenntnisse.

Und die werden Sie sicher brauchen, wenn wir uns im nächsten Artikel mit dem 2. Spiegelgesetz beschäftigen werden.

Dagmar Reuter

Jobcoaching Bonn

Advertisements

8 Gedanken zu „Konflikte lösen mit dem ersten Spiegelgesetz

  1. Katrin - musikhai

    Es ist echt nicht so einfach, das anzunehmen. Denn ich mag doch eigentlich das Gegenüber so ganz und gar nicht. Jetzt soll ich auch noch eingestehen, dass wir etwas gemein haben? Da wehrt sich so alles in mir dagegen!

    (Meine Psychologin hat allerdings das Selbe gesagt…)

    Gefällt 1 Person

    Antwort
    1. JobcoachingBonn Autor

      Das „Wehren“ finde ich absolut verständlich. Ich meine, dass für uns alle Mut dazu gehört, Menschen, Situationen und Dinge einmal von einer ganz anderen Seite zu betrachten. Vielleicht hilft auch die Überlegung, was an dem Gegenüber eigentlich ganz genau stört, denn „das Gegenüber so ganz und gar nicht mögen“ ist ja noch ziemlich weit gedacht. Was ist es ganz konkret, was stört? Und vielleicht gibt es dann plötzlich doch eine klitzekleine Gemeinsamkeit. Wer weiß? Liebe Grüße und ein schönes Wochenende

      Gefällt 1 Person

      Antwort
  2. Pingback: Das 2. Spiegelgesetz – betroffen? | Jobcoaching Bonn

  3. Pingback: Konflikte lösen mit dem ersten Spiegelgesetz | MacCoach

  4. Pingback: Nicht mein Problem – das dritte Spiegelgesetz | Jobcoaching Bonn

  5. Pingback: Ich und Du – das 4. Spiegelgesetz | Jobcoaching Bonn

  6. Markus Neuner

    Diese Methode der Spiegelung kenne ich nicht nur aus meiner Ausbildungszeit in der Schauspielschule sondern auch im privaten Bereich. Man erinnere sich nur an das persönliche Spiegelbild das immer wiederkehrt. Nicht nur zu deinem Gesprächspartner auch zu den Menschen mit denen man beruflich zu tun hat. Egal ob es negative oder positive Eigenschaften sind die einen Menschen ausmachen, das ganze Leben spiegelt sich in diesem Bild wieder. Wenn Menschen Abgrundtief und dauernd negativ sind und über andere schlecht reden kommt dieses negative Spiegelbild auf einen selbst zurück und man kritisiert sich damit selber. Das glauben die meisten im ersten Moment nicht weil sie es nicht registrieren. Im Endeffekt bestätigen sie sich aber in dem Moment in ihrer Kritik gegenüber anderen selbst.

    Herzliche Grüße aus Niederösterreich
    Markus Neuner
    SCHAUSPIELER

    Gefällt 1 Person

    Antwort

Ich freue mich über jeden Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s