Welche Fragen sind erlaubt? – Bewerbungsgespräch Teil 2 –

Im Teil 1 über das Bewerbungsgespräch hatte ich über die häufigsten Fragen, die Personalverantwortliche in Bewerbungsgesprächen stellen, geschrieben. Heute möchte ich auf zulässige und unzulässige Fragen im Bewerbungsgespräch eingehen. Im Vorstellungsgespräch sollten grundsätzlich ausschließlich Dinge gefragt werden, die unmittelbar etwas mit der Stelle zu tun haben. 

Foto: Robert Kneschke

Foto: Robert Kneschke

Der potentielle Ar­beit­ge­ber darf Stellenbe­wer­bern nur sol­che Fra­gen stel­len, an de­ren Klärung er im Hin­blick auf die Durchführung des ge­plan­ten Ar­beits­verhält­nis­ses ein sach­lich be­rech­tig­tes In­ter­es­se hat. Pri­va­te Din­ge gehören da­her grundsätz­lich zunächst einmal nicht in das Be­wer­bungs­gespräch. Wenn im Bewerbungsgespräch dennoch nach pri­va­ten, mit dem Ar­beits­verhält­nis nicht in Zu­sam­men­hang ste­hen­den Din­gen, gefragt wird, ist das ar­beits­recht­lich un­zulässig. Welche Folgen unzulässige Fragen oder unwahre Antworten auf Fragen haben, werden wir später noch sehen. Zunächst geht es darum, an Hand von einigen Beispielen aufzuzeigen, wel­che Fra­gen im Vor­stel­lungs­gespräch erlaubt sind und wel­che nicht.

Es gibt eine Fülle an Urteilen in der Recht­spre­chung der Ar­beits­ge­rich­te darüber, welche Fragen rechtlich zulässig sind und welche nicht. Kernpunkt ist das „be­rech­tig­tes In­ter­es­se“ des Ar­beit­ge­bers an der Be­ant­wor­tung der Frage im Zusammenhang mit dem beabsichtigten Abschluss des Arbeitsvertrages. Hier nun einige Beispiele:

1. Fragen nach der Heirat, Familie und Schwangerschaft
Planen Sie in der nächsten Zukunft zu heiraten? Beabsichtigen Sie eine große Familie zu gründen? Da eine Heirat und auch familiäre Angelegenheiten im Allgemeinen nichts mit der zukünftigen Stelle in der Firma zu tun haben, ist das Privatsache und die Fragen danach damit nicht erlaubt.
Die Frage nach einer bestehenden oder geplanten Schwangerschaft ist gleichfalls nicht zulässig. Gemäß §§ 1, 3 Abs.2, 7 Abs. 1 des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) darf keine Person wegen des Geschlechts benachteiligt werden. Wenn eine bestehende Schwangerschaft jedoch dazu führen könnte, dass die Stellenbewerberin nicht eingestellt würde, wäre dies eine solche Benachteiligung. Aus diesem Grund ist die Frage nicht erlaubt. Werden Stellenbewerberinnen beim Vorstellungsgespräch nach einer Schwangerschaft gefragt, dürfen Sie auch die Unwahrheit sagen, sofern sie eine Schwangerschaft verheimlichen möchten.

Die Frage nach einer Schwangerschaft ist nur dann erlaubt, wenn auf der betreffenden Stelle nach den besonderen Mutterschutzvorschriften keine Schwangeren beschäftigt werden dürfen. Zum Beispiel weil dort schwere körperliche Arbeiten berichtet werden. Hier ist allerdings nach unbefristeten und befristeten Stellen zu differenzieren. Bei einer zu besetzenden unbefristeten Stelle ist die Frage grundsätzlich unzulässig, da die Schwangerschaft nur vorübergehender Natur ist. Ob dies auch für eine befristete Stelle mit der Folge, dass diese nie angetreten werden könnte, gilt, hat die Rechtsprechung noch nicht beantwortet.

2. Fragen nach Mitgliedschaften in Gewerkschaften, Parteien und Religionszugehörigkeit
Die Frage nach der Gewerkschaftszugehörigkeit sowie der Re­li­gi­ons- und Par­tei­zu­gehörig­keit ist bei Bewerbungsgesprächen grundsätzlich nicht erlaubt und unzulässig. Dies ergibt sich für die Religionszugehörigkeit bereits aus den Allgemeinen Gleichbehandlungsvorschriften.
Nach der Ein­stel­lung ist die Fra­ge nach ei­ner Re­li­gi­ons­zu­gehörig­keit allerdings zulässig, da sie für die Personalabteilung we­gen der möglicherweise ab­zuführen­den Kir­chen­steu­er eine notwendige Information darstellt. Umstritten ist die Frage, ob Aus­nah­men bei kon­fes­sio­nell oder par­tei­po­li­tisch ge­bun­de­nen Ar­beit­ge­bern, wie z.B. Krankenhäusern oder Kindergärten gel­ten. Dort kann es von Vorteil sein, wenn der Bewerber die gleiche religiöse Überzeugung wie das Unternehmen hat.

3. Fragen nach der Gesundheit und körperlichen Einschränkungen
Die Frage nach möglichen Krankheiten darf ein potentieller Ar­beit­ge­ber nur stellen, wenn da­von die Ein­satzfähig­keit des Bewerbers auf dem vor­ge­se­he­nen Ar­beits­platz abhängt. Doch gibt es in diesem Bereich viele Besonderheiten. Während die Frage nach einer AIDS-Erkrankung zulässig ist, ist sie dies für eine HIV-Infektion nicht.
Ausnahme wiederum, wenn der Stellenbewerber auf dem vor­ge­se­hen Ar­beits­platz auf­grund ei­ner HIV-In­fek­ti­on nicht ar­bei­ten dürfte. Wer sich daher auf eine Pfleger oder Arztstelle bewirbt, dem darf diese Frage gestellt werden. Nach einer vorliegenden Schwerbehinderung gemäß § 2 Abs. 2, 3 SGB IX darf beim Bewerbungsgespräch im Gegensatz zu einer Behinderung gefragt werden. Die Fra­ge nach einer Behinderung ist allerdings dann zulässig, wenn die Behinderung ei­nen kon­kre­ten Be­zug zu dem ge­plan­ten Ar­beits­platz hat.

4. Fragen nach Schulden und Vorstrafen
Da generell Schulden Privatsache sind, ist die Frage danach generell unzulässig. Falls der Bewerber auf seine zukünftigen Stelle jedoch mit „Geld“ zu tun haben sollte, sieht es bereits wieder anders aus. So ist bei einer Verkäuferin an der Kasse oder einem Banker das Vertrauen des potentiellen Arbeitgebers zu seinen mit Geld umgehenden Angestellten wichtig.
Auch bei der Frage nach Vorstrafen gilt es zu differenzieren. Grundsätzlich ist die Frage nach bestehenden Vorstrafen nicht erlaubt. Zulässig ist es hingegen nach konkreten Vor­stra­fen zu fra­gen, die für den zu be­set­zen­den Ar­beits­platz von Be­deu­tung sind. Zum Beispiel darf ein angehender Bankangestellter nach bestehenden Vorstrafen wegen Ei­gen­tums- und Vermögens­de­lik­ten befra­gt werden oder ein sich bewerbender Lastkraftwagen­fah­rer nach Vor­stra­fen we­gen Straßen­ver­kehrs­de­lik­ten. In beiden Fällen besteht ein sachlicher Bezug zu der ausgeschriebenen Stelle. Zu bedenken ist allerdings, dass die meisten Arbeitgeber ein polizeiliches Führungszeugnis anfordern, aus dem sich ohnehin etwaige Vorstrafen ergeben würden.

Rechtlich und tatsächlich ist jedoch nicht nur interessant, welche Fragen im Bewerbungsgespräch zulässig sind. Von großem Interesse für Bewerber und Arbeitgeber sollten auch die Rechtsfolgen sein. Welche Folgen haben zum Beispiel denn nun falsche Auskünfte für den Stellenbewerber, der auf der Grundlage einer unwahren Aussage eine Stelle erhalten hat? Darüber und auch über die weiteren Rechtsfolgen von zulässigen und unzulässigen Fragen im Bewerbungsgespräch werde ich in der nächsten Folge schreiben.

http://www.jobcoachingbonn.de

Advertisements

Ein Gedanke zu „Welche Fragen sind erlaubt? – Bewerbungsgespräch Teil 2 –

  1. Pingback: Unwahre Angaben im Vorstellungsgespräch? – Bewerbungsgespräch Teil 3 – | Jobcoaching Bonn

Ich freue mich über jeden Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s