Altersdiskriminierung für Führungskräfte durch Konzept 60+?

Da ich nicht nur Jobcoach, sondern auch Juristin bin, werde ich hier im Blog auch über aktuelle Arbeitsrechtsfälle berichten. Vielleicht ist ja für den einen oder anderen Jobcoaching Bonn Leser von Zeit zu Zeit ein interessanter Fall dabei. Heute geht es um einen Schadensersatzanspruch nach dem Allgemeinen Gleichstellungsgesetz (AGG), der in den ersten beiden Instanzen abgewiesen worden ist. Am 17. März wird nun das Bundesarbeitsgericht (BAG – 8 AZR 677/14 ) über diesen Fall nach dem AGG zu entscheiden haben. Der Kläger beruft sich auf Altersdiskriminierung durch seinen ehemaligen Arbeitgeber wegen dessen Konzept 60 + für Führungskräfte und fordert die Feststellung einer Schadensersatzpflicht sowie eine Entschädigung.

Laut Mitteilung des BAG war der Kläger seit 1985 bei der Beklagten, einem Unternehmen der Automobilindustrie, zuletzt als Verkaufsleiter beschäftigt. Mit Übernahme der Aufgaben eines Verkaufsleiters gehörte der Kläger dem Kreis der leitenden Führungskräfte an. Die Beklagte führte 2003 das Konzept 60 + für Führungskräfte ein, welches eine Beendigung des Arbeitsverhältnisses zum Ablauf des Monats, in dem die jeweilige Führungskraft das 60. Lebensjahr vollendet, vorsieht. Das Unternehmen unterbreitete dem Kläger im Juli 2003 ein solches schriftliches Vertragsänderungsangebot im Rahmen des Konzepts 60 +. Der Kläger unterzeichnete das Schreiben und schied vereinbarungsgemäß im Rahmen des Konzepts 60 + im Jahr 2012 bei dem Unternehmen, der heutigen Beklagten aus. Er erhielt einen Kapitalbetrag von ca. 120 TEuro. Zwei Monate nach seinem Ausscheiden aus dem Betrieb forderte er jedoch durch seinen Prozessbevollmächtigten von seinem ehemaligen Arbeitgeber Schadensersatz und eine Entschädigung nach § 15 Abs. 1 bzw. Abs. 2 AGG. Der § 15 AGG regelt, dass bei einem Verstoß gegen das Benachteiligungsverbot, der Arbeitgeber verpflichtet ist, den hierdurch entstandenen Schaden zu ersetzen. Wegen eines Schadens, der nicht Vermögensschaden ist, kann der oder die Beschäftigte eine angemessene Entschädigung in Geld verlangen.

Mit seiner arbeitsgerichtlichen Klage möchte der Kläger nun festgestellt wissen, dass sein ehemaliger Arbeitgeber ihm denjenigen Schaden zu ersetzen habe, der ihm dadurch entstanden sei, dass er im Oktober 2012 aus dem Arbeitsverhältnis ausgeschieden sei und nicht erst am im April 2018 ausscheiden werde. Die Forderung nach einer Entschädigung stützt er auf § 15 Abs. 2 AGG und hält eine Größenordnung von ca. 80 TEuro für angemessen. Das beklagte Unternehmen ist hingegen der Ansicht, dass eine Benachteiligung im Sinne des AGG nicht vorliege. Allen Führungskräften sei ein Angebot zur Umstellung ihrer Arbeitsverträge auf das Konzept 60 + unterbreitet worden. Die Ansprüche auf Schadensersatz nach § 15 Abs. 1 AGG sowie auf Entschädigung nach § 15 Abs. 2 AGG seien wegen der nicht rechtzeitigen Erhebung der Befristungskontrollklage ausgeschlossen.

Die Revision zum Bundesarbeitsgericht wurde zugelassen. Nun bleibt abzuwarten, wie dieses in einer Woche über den Fall entscheiden wird.

Advertisements

2 Gedanken zu „Altersdiskriminierung für Führungskräfte durch Konzept 60+?

Ich freue mich über jeden Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s