Ehrenamtliches Engagement als JobPate für Arbeitsuchende

Es gibt viele Möglichkeiten sich ehrenamtlich zu engagieren. Eine davon ist die, ein JobPate werden. Als ich vor Jahren durch Zufall bei einer Internetrecherche auf das Patenmodell stieß, wurde ich neugierig. Patenmodell, in dem Paten arbeitslosen Menschen helfen, hörte sich für mich interessant an.

Foto: Robert Kneschke

Foto: Robert Kneschke

Doch was steckt genau hinter dieser Idee? Ich wollte es wissen und erkundigte mich vor Ort in Bonn bei der dortigenGruppe des Patenmodells. Gleich bei meinem ersten Besuch wurde ich freundlich empfangen und informiert. Ich hatte viele Fragen, die alle in Ruhe beantwortet und besprochen wurden. Und bereits einige Tage später durfte ich an einer der monatlichen Teamsitzungen teilnehmen. Ich lernte die Bonner JobPaten persönlich kennen. Anonymisiert wurden Fälle besprochen und Informationen ausgetauscht. Und dann wurde es für mich ernst. Ich erhielt meinen ersten Klienten. Neugier, Aufregung und im Hinterkopf die ängstliche Frage, ob ich wirklich würde helfen können.

Ich konnte. Bereits nach kurzer Zeit gelang es meinem ersten Klienten Herrn Richter (Name geändert) einen neuen Arbeitsplatz zu finden. Und noch während sich Herr Richter über seine neue Stelle freute, konnte ich mich bereits einer anderen Klientin widmen, die damals kein Geld hatte, privat einen Jobcoach zu bezahlen. Kurz danach erarbeiteten wir zusammen ihre ersten Schritte in die Selbständigkeit. Seitdem bin ich dabei und arbeite ehrenamtlich für das Patenmodell. Und was macht nun ein JobPate genau?


JobPaten übernehmen ehrenamtlich eine JobPatenschaft für einen Arbeitsuchenden. Wer viel Zeit hat, darf natürlich auch gerne zwei oder mehr JobPatenschaften gleichzeitig übernehmen. Jobpaten beraten und begleiten Arbeitsuchende auf dem Integrationsweg (zurück) in die Arbeitswelt. Mit eigenen beruflichen Erfahrungen und Know-How ist das eine gute Möglichkeit sich aktiv gegen Arbeitslosigkeit einzusetzen. Bei Arbeit durch Management/Patenmodell erwartet alle Jobpaten ein bundesweites JobPatennetzwerk. Eine gemeinsamen Datenbank steht als moderne Kommunikations- und Vernetzungsplattform zur Verfügung. Unterstützung gibt es mit einer breiten Palette an Weiterbildungsangeboten, die die eigene Beratungskompetenz stärken. Monatliche Teamsitzungen und die Möglichkeit der Supervision schaffen zudem den nötigen Rahmen zur Reflexion des eigenen Handelns.

Konkret bedeutet das, dass jeder JobPate Zugriff auf eine Datenbank hat, aus der er sich „seinen“ Klienten, dem er meint, gut helfen zu können in seiner Region aussuchen kann. Nach der ersten Kontaktaufnahme entscheiden Klient und Pate, ob sie zusammen passen und gemeinsam arbeiten möchten. Beim ersten Treffen lernen sich Beide näher kennen und vereinbaren das „Arbeitsziel“. Danach finden Treffen in der Häufigkeit statt, wie es Klient und Pate möchten.
Auf diese Art erhalten Arbeitssuchende, die nicht genügend eigene Mittel haben, um einen Jobcoach oder Personalberater zu bezahlen, eine intensive, kostenlose Beratung und Begleitung. Sie entwickeln anhand eines auf Sie abgestimmten Integrationsplans neue berufliche Perspektiven. Sie können von dem bundesweiten Netzwerk von Arbeit durch Management/Patenmodell profitieren. JobPatenschaften, in denen ehrenamtliche Führungskräfte und Personalprofis arbeitsuchende Menschen bei der beruflichen Integration unterstützen, sind meines Erachtens auch ein innovativer Weg, dem gesamtgesellschaftlichem Problem Arbeitslosigkeit auf menschliche Weise zu begegnen.

Und was hat der einzelne JobPate von dem freiwilligen Einsatz? Letztlich kann das nur jeder für sich entscheiden und heraus bekommen. Doch für mich ist es besonders erfüllend, dass ich mit eigener Kompetenz anderen Menschen etwas geben und ihnen helfen kann. Und ist es immer wieder ein unbeschreiblich gutes Gefühl, wenn ein Klient sich über eine neue Arbeitsstelle freuen kann oder erfolgreich in die eigene Selbständigkeit wechselt.

Interessant ist auch der Austausch mit anderen Paten und Patinnen, von denen es im Gesamtnetzwerk ca. 1.300 in Deutschland gibt. Häufig sind die ehrenamtlichen Helfer Personalprofis und Führungskräfte aus Industrie, Handel, Verwaltung und Kultur, Trainer und Berater, die ihre Sachkompetenz in die Beratung und das Coaching von Arbeitsuchenden einbringen. Hier ist der interne Austausch interessant und natürlich für mich auch immer wieder lehrreich.

Neben dem Patenmodell für Arbeitssuchende gibt es noch die Ausbildungsbrücke. Diese organisiert ehrenamtlich getragene Angebote zur Berufsorientierung und Ausbildungsbegleitung für Schüler. Neben ehrenamtlichen AusbildungPatenschaften wird  ehrenamtliche Nachhilfe organisiert. Dabei begleiten ehrenamtliche Paten Haupt- und Realschülerinnen und -schüler (in Berlin Sekundarschülerinnen und-schüler) ab der 8. Klasse bis zur ersten Stelle nach der Ausbildung.

Wer Interesse hat als JobPate zu arbeiten oder an den Angeboten der „Arbeit durch Management/ Ausbildungsbrücke“ interessiert ist, findet hier weitere Informationen.

http://www.jobcoachingbonn.de

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8 Gedanken zu „Ehrenamtliches Engagement als JobPate für Arbeitsuchende

  1. suzy

    Hallo Dagmar/Frau Reuter, tolle Idee! Sie/Du wissen nicht zufällig ob es Jobpaten auch in Ratingen (bei Düsseldorf) gibt? Ich suche jetzt seit einem halben Jahr einen neuen Job, meine Unterlagen sind okay (denke ich), aber die Gesamtsituation ist frustrierend. Ich weiss nicht ob es an der Teilzeitstelle liegtidie ich eigentlich bräuchte, an mir oder was auch immer. Ein objektiver Blick wäre bestimmt eine große Hilfe, sonst bekomme ich ja nur ein feedback von der Dame des Arbeitsamtes.

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