Black or White?

Heute möchte ich eine Geschichte über einen Klienten, Herrn Sebba aus Kenia erzählen. Über Herrn Sebba und seinen Berufswunsch habe ich in der letzten Zeit selber sehr viel nachgedacht. Seinen Namen habe ich zu seinem Schutz abgeändert. Doch die Geschichte ist wahr – eine Geschichte aus Deutschland. 7Herr Sebba kam zu meinem Jobcoaching, da er ratlos ist. Er findet einfach keine Arbeitsstelle – nicht in Düsseldorf, nicht im Großraum Düsseldorf und auch nicht im gesamten Bundesland Nordrhein-Westphalen. Woran liegt es? Ist er schlecht ausgebildet? Hat er keine Papiere? Wie steht es um seine Bewerbungsunterlagen? Herr Sebba besitzt die deutsche Staatsangehörigkeit und eine schwarze Hautfarbe. Er erzählt mir seine Geschichte. Später schauen wir gemeinsam durch seine Unterlagen.

Herr Sebba ist 1972 in Kenia geboren und hat dort sein Abitur gemacht. Von klein auf interessiert er sich für Technik. Daher entscheidet er sich für eine Kfz Mechaniker Ausbildung, die er erfolgreich absolviert. Doch er arbeitet in Kenia nicht lange als Automechaniker. Er möchte mehr Technikwissen erwerben und studieren. Zum Studium zieht es ihn nach Deutschland. Dort lernt Herr Sebba sehr schnell fließend Deutsch, das er heute neben Englisch und Kiswahili fließend als dritte Sprache spricht. Sehr schnell beginnt er mit seinen technischen Studien. Gleich zwei Studiengänge sollen es sein.

Er studiert erfolgreich parallel an der FH Bochum und der Universität Aachen zwei Studiengänge nebeneinander. Und er erwirbt Abschlüsse als Diplom Ingenieur Elektrotechnik und Informationstechnik und zudem einen Abschluss mit dem Schwerpunkt Nachrichtentechnik. Nebenbei absolviert er ein Auslandssemester in Griechenland und nimmt an vielen Extraaus- und Fortbildungen teil. Herr Sebba absolviert zudem fachtechnische Praktika, arbeitet ehrenamtlich und tut alles, um sich ständig technisch auf dem neuesten Stand der Entwicklung zu halten. Eigentlich müßte das doch mehr als reichen, oder?

Doch Herr Sebba möchte noch eine Qualifikation erwerben – er möchte unterrichten. So macht er zusätzlich noch ein Lehramtsstudium Elektro- und Informationstechnik. Er ist Dozent für ostafrikanische Kultur, arbeitet engagiert in gemeinnützigen Vereinigungen und hat nach und nach mehrere kleinere Dozentenverträge. Er arbeitet kurzfristig als IT Administrator, Doch sein Wunsch, als Elektrotechniker zu arbeiten, geht trotz unzähliger täglicher Bewerbungen nicht in Erfüllung. Er wird zu Bewerbungsgesprächen geladen. Doch danach kommen die Absagen. Im wird zum Beispiel mitgeteilt, dass ein anderer Bewerber dem Anforderungsprofil der Firma besser entsprochen hätte.

Herr Sebba ist arbeitswillig und bewirbt sich täglich bei den unterschiedlichsten Unternehmen im Großraum Düsseldorf und in Nordrhein-Westphalen. „Fachkräfte werden doch in Deutschland angeblich so gesucht. Liegt es an der schwarzen Hautfarbe?“ fragt er mich.

Seine Ausbildungen, seine Skills, sein Auftreten und seine Papiere. Wir prüfen alles bis ins kleinste Detail noch einmal genau. Er kann sich sehr gut mündlich und schriftlich in der deutschen Sprache ausdrücken und lässt sich bislang trotz so vieler Absagen und Rückschläge nicht entmutigen. Ein Blick ins Internet und in die Jobbörsen zeigt es. Stellenangebote für Elektrotechniker gibt es gerade im Großraum Düsseldorf genug. Ich selber kann es nicht glauben, dass der Grund für die vielen Absagen die schwarze Hautfarbe sein könnte.

Besonders gefällt mir an Herrn Sebba, dass er sich trotz so vieler Absagen nicht entmutigen lässt. Wir suchen gemeinsam weiter für ihn eine passende Stelle. Falls jemand einen guten Tipp hat, freut sich Herr Sebba sicher sehr. Black or white – das sollte doch wohl in Deutschland kein Thema sein. Wir werden zusammen weiter suchen und ich werde berichten.

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39 Gedanken zu „Black or White?

  1. Pingback: Black or White? | Leonies Leben

  2. WiedasLebenklingt

    Hat dies auf rebloggt und kommentierte:
    Heute möchte ich Euch um Hilfe bitten. Es geht um einen sympathischen, gut ausgebildeten und sehr vielseitigen Mann – Herrn Sebba – der dringend Arbeit im Raum Düsseldorf sucht.
    Dagmar Reuter ist Coach- und Erfolgstrainerin und setzt sich für arbeitslose Menschen ein. In ihrem Beitrag stellt sie uns Herrn Sebba vor – aber lest selbst und bitte lasst uns gemeinsam schauen, ob wir etwas für ihn tun können.
    Ich danke Euch für die Aufmerksamkeit.

    Gefällt 2 Personen

    Antwort
      1. WiedasLebenklingt

        Sehr gern, aber leider ist bisher kein Feedback vorhanden – ein Rebloggen würde durchaus weiterhelfen. Wenn keine weitere Beachtung auf diesem Blog erfolgt, reblogge ich morgen auf dem Autorenblog, wo ich wesentlich mehr Leser habe ;-). Da sollte auf jeden Fall mehr passieren. Ich bleibe dran!
        Herzliche Grüße
        Sylvia

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  3. mannifred

    Das Problem kennen wir hier auch in Bayern. Habe versucht einen jungen Afghanen bei einem befreundeten Betrieb unterzubringen, Man war auch dazu bereit, nur es dauerte, bis wir die Zusagen der verschiedenen Ämter bekamen. Das ging über Arbeitsamt, Gemeinde, Landratsamt, Ausländerbehörde bis hin nach München und nach 7 Wochen war man bereit den Mann 20 Stunden in der Woche arbeiten zu lassen. Hemmschuh ist die deutsche Bürokratie und davor scheuen sich die meisten Firmen, diesen Leidensweg durchzumachen.

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    1. JobcoachingBonn Autor

      Ich kann mir gut vorstellen, dass auch die Bürokratie häufig eine große Rolle spielt. In meinem Fall hat der Bewerber allerdings die deutsche Staatsangehörigkeit, so dass bürokratische Hindernisse eher ausscheiden.

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  4. Anna-Lena

    Deutschland ist ja für seine Bürokratie bekannt. Es ist eine Schande, dass ein so motivierter Mensch nichts finden kann.
    Da sollte sich so mancher bei uns mal eine dicke Scheibe von abschneiden!
    Schön, dass du dich einsetzt, liebe Leonie und vor allem viel Erfolg!

    Liebe Grüße
    Anna-Lena

    Gefällt 1 Person

    Antwort
  5. Clara Himmelhoch

    Das wirklich Schlimme an der Sache ist, dass er nie die Wahrheit erfahren wird, was wirklich der Grund für eine Nichteinstellung gewesen ist. War es die Hautfarbe, war es die Überqualifikation, war es eine Art des Auftretens, die irgendeinem nicht gepasst hat – ich wünsche ihm ganz sehr, dass er findet, was er sucht.
    Lieben Gruß zu dir

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