Der Weg in die Selbständigkeit – was unbedingt zu bedenken ist

Häufig kommen Klienten in der Mitte ihres Berufslebens mit dem Wunsch nach beruflicher Veränderung  zu mir. Wenn wir dann über den genauen Grund ihres Besuchs und vor allen Dingen über ihren persönlichen Wunsch und ihr individuelles Ziel sprechen, kommt vielfach heraus, dass sie sich auf ihrem Arbeitsplatz nicht oder nicht mehr wohl fühlen. Die Meisten von ihnen möchten im Jobcoaching klären, ob es nicht eine Alternative zu ihrem jetzigen Berufsleben gibt. Die Wünsche und Ziele sind dabei so unterschiedlich, wie die Menschen selber. 2015_business_team_4149Bei einigen Klienten stellt sich schnell heraus, dass es auf ihrer jetzigen Stelle Probleme gibt. Probleme mit dem Chef, mit Kollegen oder mit persönlichen Arbeitsbedingungen. Bei anderen Klienten ergibt sich im Jobcoaching, dass sie einen Beruf erlernt haben oder ein Studienfach studiert haben, das nicht wirklich zu ihnen passt. Möglicherweise war es mangelnde Information oder auch der Wunsch der Eltern, der sie zu ihrer Berufswahl veranlasst hat. Andere Klienten wiederum sind mit ihrem bisherigen Berufsleben eigentlich ganz zufrieden, möchten aber einfach noch einmal in der Berufs- oder Lebensmitte etwas Neues ausprobieren. Gerade bei der letzten Gruppe taucht sehr häufig die Frage nach einer möglichen Selbständigkeit auf. Ich habe einen bestimmten Wunsch oder eine tolle Idee. Sollte ich mich damit nicht doch selbständig machen? Parallel ergibt sich zumeist die Frage nach Sicherheit und Risiko. Kann ich es wirklich riskieren, mich selbständig zu machen oder stehe ich im schlimmsten Fall plötzlich mittellos da? Was ist überhaupt auf dem Weg in eine Existenzgründung zu beachten? Das alles sind nur einige Fragen, die in diesem Zusammenhang angesprochen werden. Hier öffnet sich ein weites Feld, das ganz bestimmt nicht in wenigen Sätzen abgehandelt werden kann. Doch es gibt gewisse Punkte, die grundsätzlich vor der Aufnahme einer Selbständigkeit auf dem Weg in eine Existenzgründung bedacht werden sollten.

Zunächst ist die eigene Motivation zu ergründen. Warum will ich mich selbständig machen? Was sind meine persönlichen Gründe? Es sollte sicher sein, dass die Selbständigkeit nicht nur eine Flucht aus einer unbefriedigenden Arbeit ist. Möglicherweise lässt sich auch an der jetzigen Arbeitssituation etwas verändern oder verbessern? Werde ich an der vorgesehenen Tätigkeit Freude haben? Passt die angestrebte Art der Selbständigkeit zu mir? Ist das Leben als Selbständiger mit allen Vor- und Nachteilen wirklich das Leben, das ich führen möchte?

Wichtig ist auch die individuelle  Geschäftsidee. Was genau möchte ich machen? Womit möchte ich mein Geld verdienen? Gibt es diese Idee bereits? Wie funktioniert ein ähnliches Geschäft möglicherweise bei anderen Personen? Welche Fähigkeiten habe ich, um diese Tätigkeit auszuüben? Passt vielleicht zu meinen Fähigkeiten besser eine andere Tätigkeit? Was muss ich noch lernen, um die von mir vorgesehene Selbständigkeit ausüben zu können?

Um zu prüfen, ob die Idee überhaupt auf dem Markt bestehen kann (Konkurrenzsituation, potentielle Kunden usw.) und ob sie finanziell tragbar und wirtschaftlich ist, sollte auf jeden Fall zunächst ein möglichst umfassender Businessplan ausgearbeitet werden. Durch die Anfertigung eines Businessplanes wird derjenige, der den Wunsch nach Selbständigkeit verspürt, ganz automatisch gezwungen, sich mit jedem Detail des vorgesehenen Geschäfts auseinanderzusetzen (Geschäftsidee, Marktsituation des Produkts oder der vorgesehenen Dienstleistung, steuerliche Situation, Rechtsform, Finanzplan mit Kapitalbedarf usw.). Der Businessplan wird u.a. eine Antwort darauf geben, ob das Produkt am Markt eine Chance hat, welche Kosten auf den Selbständigen zukommen und ob die Geschäftsidee insgesamt wirtschaftlich ist. Auch wird in diesem Zusammenhang häufig offenbar, dass noch Wissenslücken, wie zum Beispiel bei der Umsetzung der Rechtsform bestehen oder fachlicher Rat (Rechtsanwalt, Steuerberater) einzuholen ist.
Hilfe bei der Erstellung eines Businessplanes für Existenzgründer gibt es zum Beispiel bei den Industrie- und Handelskammern. Auch im Internet lassen sich viele Informationen finden, wie zum Beispiel hier:
http://www.existenzgruender.de/DE/Weg-in-die-Selbstaendigkeit/Vorbereitung/Businessplan-erstellen/inhalt.html

Doch was ist zu tun, wenn die Geschäftsidee sämtlichen Kriterien eines Businessplanes standhält, der potentielle Existenzgründer  sich jedoch nicht traut, von heute auf morgen seine jetzige Arbeit zu kündigen? Auf jeden Fall sollte bei einer beabsichtigten Selbständigkeit vorab geprüft werden, ob eine sofortige Kündigung einer bestehenden Arbeit wirklich notwendig ist. Wer in einem Angestelltenverhältnis ist, sollte Rechts-, Steuer- und Rentenberatung in Anspruch nehmen, bevor er möglicher erworbener Ansprüche verlustig geht. In den meisten Fällen ist gerade in der Anfangszeit einer neuen Existenzgründung eine Kündigung  nicht notwendig. Da die Selbständigkeit nicht von einem Tag zum anderen Tag auf 100% laufen wird, ist in vielen Fällen gerade in der Anfangszeit eine „Parallelität“ von angestellter Tätigkeit und Selbständigkeit möglich. Vielleicht lässt sich die Selbständigkeit als Nebentätigkeit privat beginnen und dann langsam ausbauen. Möglicherweise kann mit dem Arbeitgeber eine vorübergehende Stundenreduzierung oder Halbtagestätigkeit ausgehandelt werden. So hat die selbständige Tätigkeit eine Chance sich langsam zu entwickeln und der Gründer muss nicht die finanzielle Sicherheit, die ihm seine Angestelltentätigkeit bietet, vollkommen aufgeben. Hier gibt es viele Varianten und es gilt ganz individuell zu prüfen, welche Variante nach den persönlichen und finanziellen Umständen für den jeweiligen Interessenten in Frage kommt.

Schließlich gibt es viele Anlaufstellen und Hilfsangebote bei der Aufnahme einer selbständigen Tätigkeit, die sich leicht im Internet ermitteln lassen. Meine Ausführungen zur Selbständigkeit stellen nur ein kleines Spektrum von Fragen dar, die immer wieder beim Jobcoaching auftauchen. Sie ersetzen keinesfalls eine individuelle Prüfung und Beratung über eine vorgesehene Existenzgründung.

Als erste Anlaufstelle bieten sich die Industrie- und Handelskammern an, die für Existenzgründer umfassende Informationen, Beratungen und Seminare bereit halten (http://www.existenzgruender.de/DE/Weg-in-die-Selbstaendigkeit/Vorbereitung/Gruendungswissen/Behoerden/Industrie-Handelskammer-IHK/inhalt.html).

Haben Sie weitere Fragen zur Selbständigkeit oder zu einem Jobcoaching? Ich freue mich auf Ihre Rückmeldung.

http://www.jobcoachingbonn.de

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7 Gedanken zu „Der Weg in die Selbständigkeit – was unbedingt zu bedenken ist

  1. Kipet

    Ein gutes, intesives Überlegen, Planen, auch ein Herausfinden, wie steht’s mit der Konkurrenz bevor man den Schritt in die Selbständigkeit wagt ist unerlässlich! Wichtig ist vor allem den Rat eines Steuerberaters einzuholen. Ruhig auch mal mit Freunden sprechen, mit der Familie. Und vor allem mit Menschen, die das Experiment EPU/KMU erfolgreich gewagt haben. Tipps einholen, Ideen finden, einen Businessplan machen und damit am Ende zu den „Experten“, den staatlichen Institutionen gehen – jene, an die auch die Selbständigen ihren Obolus leisten müssen.

    Auch ich habe es mit der Selbständigkeit, besser gesagt mit der sogenannten „neuen Selbständigkeit“ probiert (in Ö eine Mischung aus Teilzeitanstellung und freiberuflichem Dasein).

    In Österreich gibt es 5 wichtige Institutionen, die befragt werden sollten wie man diese Geschichte am besten angeht: das AMS (Arbeitsmarktservice), die SVA (Sozialversicherungsanstalt für Selbständige), die PVA (Pensionsversicherungsanstalt), die AK (Arbeiterkammer) und die WK (Wirtschaftskammer). Das Finanzamt wäre auch kein schlechter Anlaufpunkt bei Fragen zur beruflichen Selbständigkeit.

    Das Problem, wie es sich für mich am Ende herauskristallisierte, war, dass KEINE EINZIGE Intsitution mich korrekt beraten hat. Teilweise haben sich die Informationen, die ich erhalten habe, sogar widersprochen! Ich büße noch heute meinen Ausflug in die neue Selbständigkeit finanziell gesehen ab.

    Sonst möchte ich diese Zeit des (beinahe-)Selbständigseins nicht missen. Als EPU ist man letztendlich nur sich selbst gegenüber verantwortlich – natürlich nur so lange man keine Familie hat. Aber finanziell gesehen war die ganze Geschichte trotz Businessplan und guter Vernetzung in meiner Branche ein ziemlich gewagtes Harakiri…

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