Lieben was ist. Wie vier Fragen Ihr Leben verändern können – Byron Katie

In den letzten Jahren hatte ich sehr viel über  Byron Katie und ihre dem Vernehmen nach so „simple und äußerst effektive“ Coach Technik „The Work“ gehört. Eines Tages siegte meine Neugier und ich kaufte mir das erste Buch von ihr. Das Hörbuch „Lieben was ist. Wie vier Fragen Ihr Leben verändern können“. Ich hörte mein neues Hörbuch zunächst gespannt von vorne bis hinten durch. Und dann hörte ich es wieder und immer wieder. Konnte es wirklich sein, dass Byron Katie mit vier einfachen Fragen Menschen von allen belastenden persönlichen Probleme befreien konnte? Byron Katie_xlDiese Frage stellte ich mir mindestens genau so oft, wie ich das Hörbuch hörte – nämlich immer und immer wieder. Ich verinnerlichte die Fragen ihrer Technik „The Work“. Und ich übte mit Freunden und Klienten und natürlich auch an mir selber. In ihrem Buch beschreibt Byron Katie, dass die größte Kritik an ihrem Werk die, dass ihre Technik zu einfach sei. „Kann das denn alles wirklich wahr sein?“ fragte ich mich. Kann eine so einfache Technik so vielen unterschiedlichen Menschen bei der Lösung Ihrer Probleme helfen und ihnen ihre belastenden Gedanken nehmen?

Ich gebe zu, ein klein wenig „Restmisstrauen“ ist bei mir bis heute geblieben. Es handelt sich dabei nicht um erwiesenes Wissen, sondern eher um ein unbestimmtes Gefühl: das kann doch gar nicht sein, dass es so einfach sein soll, so vielen Menschen zu helfen. Aber ich habe bislang auch nichts gefunden, dass die von Byron Katie Technik „The Work“ für mich infrage stellen könnte.


Die offizielle Inhaltsangabe des Herausgebers zu dem Buch lautet:
„Jahrelang litt Byron Katie unter Depressionen, hatte massive Essstörungen, Zornausbrüche und war Alkoholikerin. Mit 44 Jahren schien ihr Leben ziemlich ausweglos. Ein Erleuchtungserlebnis änderte ihr Leben dramatisch. In der Folge entwickelte sie ein ebenso einfaches wie wirkungsvolles Selbsterkenntnis-System. Es erwies sich als dermaßen effektiv, dass es sich wie ein Lauffeuer verbreitete. Mit seiner Hilfe gelingt es dem Einzelnen, seinen Schatten zu integrieren, bewusst Verantwortung für die eigenen Probleme zu übernehmen und sie zu lösen. Zusammen mit Stephen Mitchell erzählt Byron Katie erstmals von ihrem Leben, stellt die Entwicklung ihrer Selbstfindungs-Technik dar und illustriert anhand zahlreicher Beispiele, wie sie funktioniert und wie wir davon profitieren.“The Work“, wie Byron Katie ihr Konzept der Selbsterkenntnis nennt, ist ein genial einfaches System des Hinterfragens von Problemen, Lebenssituationen und Hindernissen, die uns das Leben scheinbar tagtäglich in den Weg stellt.“

Byron Katie stellt Ihren Klienten, die mit vielerlei Problemen zu ihr kommen, drei einfache Fragen und fordert sie dann auf, ihre anfänglichen Aussagen (die nämlich die Klienten belasten: Wut auf…., Traurigkeit wegen…) umzukehren.
Ist das wahr?
Ist das wirklich wahr?
Wie würdest Du Dich fühlen, wenn Du diese Gedanken nicht hättest? (ohne dass ich Dich auffordere diese Gedanken zu verdrängen)
Drehe Deine Aussage in das Gegenteil um!

Diese Fragen und die Aufforderung, die hier ohne weitere Erläuterung stehen, wirken so ein wenig „nackt“. Doch Byron Katie geht mehr oder weniger mit diesem Muster Beziehungsprobleme, Probleme von Eltern, die sich über ein drogensüchtiges Kind sorgen, genauso an, wie Probleme von Personen, die unter schrecklichen Gedanken, hervorgerufen durch schlimme Kriegserlebnisse u.ä. leiden. Ich fand es mehr als interessant Ihren Erklärungen und Coach Gesprächen zuzuhören. Es beeindruckte mich zutiefst, wie Katie Byron mit ihren Klienten arbeitet und immer wieder Wege findet, dass die bei ihr Hilfe suchenden Menschen zu neuen Erkenntnissen und letztlich zu Lösungen ihrer Probleme kommen. Byron Katie unterscheidet zwischen „Dingen“, die der Einzelne selber beeinflussen kann und denen, die außerhalb der eigenen Sphäre liegen und die damit nicht änderbar sind. Grundaussage: Du kannst nur Dich selber und Deine Gedanken und Einstellungen zu den anderen Menschen und Ereignissen ändern. Nicht aber andere Menschen.

Beim Zuhören stieg ab und zu der Verdacht in mir auf, dass Katie Byron am Ende mit dem „Herumdrehen“ der Aussagen, vielleicht die wahren Probleme einfach unter den Teppich kehren oder die Probleme schön reden würde. Doch bei näherer Betrachtung kann ich auch diesen Gedanken nicht bestätigen. Das Gegenteil scheint der Fall zu sein. Byron Katie eröffnet durch die provokative Forderung der Umkehrung der ursprünglichen Aussage, den Klienten geradezu die Möglichkeit, neue Denkwege zu begehen, auf die er wahrscheinlich allein nicht gekommen wäre. Der berühmte Blick über den Tellerrand oder die Betrachtung von allen Seiten wird plötzlich möglich. In der Folge werden fast wie von allein, neue Alternativen und Wege gefunden.

Vielleicht einmal ein simples Beispiel (Kurzform):
Klientin: Ich ärgere mich über Peter, weil er mich nicht beachtet und sich nicht um mich kümmert. Peter sollte freundlicher zu mir sein.
Coach: Ist das wirklich wahr?
Klientin: Ja, Peter beachtet mich nicht und ist unfreundlich zu mir.
Coach: Bist Du sicher, dass das wahr ist?
Klienten: Na ja, vielleicht nicht immer. Aber letzten Sonntag zum Beispiel, ist Peter einfach an mir vorbei gegangen und und hat mich nicht beachtet. (hier besteht bereits eine Möglichkeit zur Nachfrage, ob es für Peters Verhalten auch andere Gründe geben könnte oder ob dieses Verhalten nur ein einmaliges Ereignis war usw.)
Coach: Wie fühlst Du Dich, wenn Du solche Gedanken im Zusammenhang mit Peter denkst?
Klientin: Ich fühle mich wütend, traurig und verletzt.
Coach: Wie würdest Du Dich fühlen ohne diese Gedanken? Ich fordere Dich nicht auf, diese Gedanken nicht zu haben.
Klientin: Oh, ohne diese Gedanken würde ich mich leicht und wie befreit fühlen.
Coach: Ok, drehe Deine Aussagen einmal um, wobei es viele Möglichkeiten gibt (hier als Beispiel 5).
Klientin: 1. Ich ärgere mich nicht über Peter. 2. Ich ärgere mich über mich selber, weil ich mich nicht genügend beachte und mich nicht genügend um mich kümmere. 3. Ich mag Peter gern, auch wenn er sich nicht um mich kümmert. 4. Peter soll nicht freundlicher zu mir sein (nur wenn er es will). 5. Ich sollte freundlicher zu Peter sein. usw.

Das Beispiel in der absoluten Kurzform kann nur sehr grob das System verdeutlichen. Doch ich hoffe, dass das Prinzip klar geworden ist. Sehr simpel, aber anscheinend doch zugleich sehr effektiv. Wahrscheinlich lassen sich mit diesem Modell von „The Work“ nicht alle Probleme der Welt lösen. Doch hilfreiche Anregungen für die Änderung der Einstellung zu belastenden Gedanken, bietet diese Technik bestimmt. Und damit zugleich eine konkrete Hilfe diese belastenden Gedanken loszuwerden.

Auch wer nicht unbedingt gleich Anhänger von „The Work“ werden mag, lesens- und hörenswert sind die Werke von Byron Katie allemal.

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4 Gedanken zu „Lieben was ist. Wie vier Fragen Ihr Leben verändern können – Byron Katie

  1. Monika-Maria Ehliah

    … begleitet mich seit vielen Jahren ….
    Ist es wirklich wahr …?
    Ja, The Work hat mich zu diesem Gedicht inspirier:
    Was wäre ich ohne …
    Was wäre ich ohne meine Geschichte,
    ich stünde da, in anderem Lichte;
    sicherlich nicht so hell und klar,
    weil lernen durfte ich Jahr um Jahr.
    Die Liebe schien wohl mein Leben zu sein,
    doch bald regierte nur mehr der Schein;
    brachte sie Schmerzen oft und Bangen,
    oftmals war mein Blick tränenverhangen.
    Was wäre ich ohne meine Geschichte,
    ich stünde da, in anderem Lichte;
    sicherlich nicht so hell und klar,
    weil lernen durfte ich Jahr um Jahr.
    Das Leben durfte ich weiter geben,
    solange ich bin will ich es hegen;
    von Glück war mein Leben durchzogen,
    immer wieder glätteten sich die Wogen.
    Was wäre ich ohne meine Geschichte,
    ich stünde da, in anderem Lichte;
    sicherlich nicht so hell und klar,
    weil lernen durfte ich Jahr um Jahr.
    Will dankbar sein will mich erfreuen,
    an dem was war und an dem Neuen;
    die Seele will zum Lichte streben,
    denn Segen liegt auf meinem Leben.
    Monika-Maria Ehliah Windtner
    © 1.2.2o11

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  2. mutteralleinzuhaus

    Hat dies auf mutteralleinzuhaus rebloggt und kommentierte:
    Hi, ich bin seit 2010 „The Work Coach“ und habe die Ausbildung absolviert, nachdem mir „The Work“ über eine meiner größten Krisen hinweggeholfen hat. Durch Byron Katie’s Fragen konnte ich die damalige Situation aus einer anderen Blickrichtung sehen, das war aufschlussreich und hilfreich. Zudem verhilft Katie’s Ansatz dazu, dass der Mensch sich auf sich selbst konzentriert und nicht auf andere, somit wird mehr Selbstverantwortung übernommen. Katie’s Fragen sind zyklische Fragen, die zum Nach- und Umdenken anregen, der AHA-Effekt findet im Inneren statt und wirkt sehr nachhaltig, oft auch auf andere Lebensbereiche. Ich konnte mit „The Work“ sowohl bei mir selber, als auch bei anderen Menschen schon viel Gutes bewirken. Ich bin überzeugt von dieser genial einfachen und wunderschönen Methode des Perspektivenwechsels…

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