Besser klein als gar nicht

Geht es Ihnen auch so, dass Sie sich des Öfteren einmal etwas in den Kopf setzen – ein Vorhaben, das Sie unbedingt schnell beginnen oder ein großes Ziel, das sie erreichen wollen? Und gehören Sie zu den Glücklichen, die die Gabe haben, alle diese Projekte schnell und einfach umzusetzen? Dann freuen Sie sich. Denn viele Menschen können das nicht. Am Anfang brennen wir zumeist alle für unsere Vorhaben. Wir starten mit Begeisterung und widmen der neuen Tätigkeit ausgesprochen viel Zeit.Uhr2 Dabei vergessen wir leider ab und zu, dass wir dennoch gerade am Anfang stehen und noch ein langer Weg vor uns liegt. Plötzlich tauchen erste Hindernisse auf. Es läuft nicht so, wie wir es uns eigentlich gedacht haben. Kleine Rückschläge führen häufig zur Entmutigung. Wir erkennen, dass der Erfolg des Projektes uns noch einige Nerven und sehr viel Zeit abverlangen wird. Häufig folgen dann Phasen der Resignation und der Frustration. Im schlimmsten Fall bedeutet das die Aufgabe unserer Vorhaben und Wünsche.

Was  sind die Gründe, dass so viele Projekte bereits scheitern, bevor sie richtig begonnen haben? Diese können natürlich vielfältig sein und reichen vom akuten Zeitmangel bis zu ungünstigen Umständen, die uns vielleicht anderweitig fordern. Doch häufig liegt der Grund einfach daran, dass wir uns schlicht und einfach zu viel vorgenommen haben. Die Portion ist zu groß.

Es ist verständlich, dass jemand, der eine Sprache lernen möchte, diese möglichst schnell flüssig beherrschen möchte. Doch wer kann schon Japanisch nebenbei in zwei Monaten lernen? Vielleicht mag es Ausnahmetalente geben, aber im Allgemeinen dauern Vorhaben, Projekte und Ziele eben ihre Zeit. Nicht umsonst gibt es in der Ausbildung die Stadien Lehrling, Geselle und Meister. „Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen“, heißt es so schön. Oder auch „Gut Ding will Weile haben“. Das alles wissen wir. Doch wir haben es dennoch häufig zu eilig und überstürzen unsere eigenen Vorhaben. Und das führt dann auch leider häufig zu einem vorschnellen Ende einer  guten Idee. Gibt es eine Möglichkeit hier gegenzusteuern?

Ja, die gibt es. Ich empfehle für alle Ziele, Vorhaben und Projekte: eine kleine Portion. Eine Portion, die groß genug ist etwas zu lernen, zu bewirken oder zu erreichen, aber klein genug, damit wir sie tatsächlich bewältigen können. Die Größe der Portion sollen und dürfen Sie selber bestimmen. Denken Sie an eine große Eistheke mit vielen Eissorten. Auch hier werden Sie bei der Auswahl das richtige Maß finden und nicht zwanzig Eiskugeln auf einmal verschlingen wollen. Und genauso läuft es mit Ihren Vorhaben und Projekten.

Fragen Sie sich zunächst, wann Sie Ihr Ziel erreicht haben wollen. Dann überlegen Sie sich, wie viele Stunden/Tage/Übungen es bedarf, um dorthin zu kommen. Zugleich überlegen Sie sich, wie viel Zeit Sie realistischer Weise am Tag für dieses neue Vorhaben aufbringen können. Jetzt gilt es die Tageszeit, die Ihnen für das neue Projekt zur Verfügung steht (z. B. 1 Stunde) mit dem Termin, an dem Sie ihr Ziel erreicht haben wollen, zu koordinieren.

Sie wollen zum Beispiel den Führerschein erwerben, den sie in 9 Monaten beruflich dringend benötigen. Wenn Sie nun jeden Tag eine Stunde am Abend diesem Vorhaben widmen können (Fahrstunde, Theorie lernen, Prüfungen) passen Tageszeit und die festgesetzte Zeit für Ihr Ziel gut zusammen. Bei 9 Monaten Zeit, die Ihnen zur Verfügung stehen, ist mit einer täglichen Stunde „Arbeit“  das Vorhaben realistisch und durchführbar.

Doch Vorsicht: Eine Stunde Übung täglich mag für das Beispiel oben auf eine begrenzte Zeit  machbar sein. Doch wenn Sie zum Beispiel Sport treiben wollen, um ein paar überflüssige Pfunde abzutrainieren oder Sie möchten nebenbei eine Fremdsprache lernen, dann kann eine Stunde am Tag sehr viel sein. Fragen Sie sich ernstlich, ob Sie wirklich jeden Tag eine Stunde Norwegisch lernen oder eine Stunde joggen wollen. Vielleicht können und wollen Sie das ja wirklich und verfügen auch über genug Durchhaltevermögen, um ein solches aufwändiges Zeitvorhaben durchzuziehen.

Doch wenn nicht, brechen Sie die Zeiteinheiten herunter. Joggen Sie zum Beispiel täglich erst einmal 30 Minuten. Und wenn Sie nach einigen Tagen feststellen, dass Sie auch keine 30 Minuten täglich für den Sport Joggen erübrigen können, verkleinern Sie Ihre Zeiteinheit noch einmal. Das machen Sie solange bis Sie bei der Einheit sind, die Sie wirklich jeden Tag ausüben können. Und ich meine wirklich jeden Tag.  Laufen an einem  regnerischen Sonntag, an einem sonnigen Urlaubstag und sogar am Weihnachtstag. Denn selbst 5 tägliche Minuten sind in einer Woche 35 Minuten und in einem Monat bereits über zwei Stunden.

Das hört sich zunächst nach wenig Zeit an. Doch lieber 5 Minuten täglich an einem Buch schreiben, Gitarre spielen,  eine Sprache lernen oder eine sportliche Übung machen, als nach einer Woche aufgeben. Auf diese Art werden Sie zugegebener Maßen etwas Zeit benötigen und müssen in Monaten und vielleicht auch in Jahren denken. Doch irgendwann wird das Buch auf diese Art fertig geschrieben sein. Irgendwann beherrschen Sie die neue  Fremdsprache so gut, dass Sie sich im Urlaub gut verständigen können. Die schnelle Alternative führt hingegen häufig zur endgültigen Aufgabe Ihres Wunsches.

Die kleinste Einheit ist das Geheimnis, das auf Dauer zum Erfolg führen wird, denn sie sichert den langsamen, jedoch erfolgreichen Zieleinlauf.

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6 Gedanken zu „Besser klein als gar nicht

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